Dieter Prskawetz
Blasewitzer Schulgeschichte


Aufgeschrieben 1996 anlässlich des 120jährigen Jubiläums
der 63. Grund- und Mittelschule in Dresden-Blasewitz
und des 145. Jahrestages der Fertigstellung des ersten Schulhauses im Dorfe Blasewitz



120 Jahre Schule in einem Komplex



Deutsche Kaiser und sächsische Könige huldigend

Im Ergebnis des Deutsch-Französischen Krieges war Deutschland Kaiserreich geworden, wurde das Staatsgefüge reformiert und natürlich auch die Bildung.
Blasewitz selbst entwickelte sich im Gefolge der Ereignisse von 1870/71 sprunghaft zu einem Villenort erster Güte. Zum Gedächtnis dieses für die Gemeinde wesentlichen historischen Ereignisses wurde 1879 eine Vielzahl Straßen entsprechend benannt, wovon heute noch einige so heißen. Bildungs-politisch gewann das sächsische Volksschulgesetz von 1873, das die einfache, mittlere und höhere Volksschule einführte, auch für Blasewitz an Bedeutung. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden an der Ost- bzw. Schulstraße (heute Wägnerstraße) alle drei Formen realisiert. Trotzdem blieben die Schulverhältnisse an der einfachen Volksschule noch langfristig - wie es die Bezeichnung schon hergibt - für das weniger oder gar nicht distinguierte Volk die tatsächlich denkbar einfachsten. Verglichen aber mit der untergegangenen Dorfschule an der Naumannstraße bedeutete die neue Ortsschule der Gemeinde einen nicht unbeträchtlichen Fortschritt.

Die Wandlung des Dorfes Blasewitz zu einem Wohnviertel der "vornehmen Gesellschaft" zog auch eine derartige Veränderung der Einwohnerschaft nach sich, dass das Schulwesen in Blasewitz den gestiegenen Anforderungen nur schwer nachkommen konnte. Aus den Ansprüchen der Damen und Herren in den Villen und den primitiven Zuständen der Volksschule entwickelte sich Mitte des Jahrhunderts zunehmend ein Missverhältnis. Infolgedessen entstand eine ganze Reihe privater Schulen in Blasewitz. In der Dorfschule war die Schülerzahl zuletzt auf 300 angestiegen, die Zahl der Lehrer auf vier.

Bis 1876 sollte der Ort 2.600 Einwohner zählen. Noch einmal beabsichtigten Gemeinderat und die neugegründete Schulinspektion Dresden-Land einen oder gar zwei Flügel an das Schulgebäude anzusetzen. Man kam aber wieder davon ab. Im Jahre 1873 machte sich, nachdem sich alle Erweiterungsmaßnamen und-pläne als unzureichend erwiesen hatten und im Zusammenhang mit dem neuen sächsischen Volksschulgesetz, ein Neubau der Blasewitzer Schule unumgänglich. Auf die demzufolge erlassene Ausschreibung gingen 13 Entwürfe ein, mit deren Überprüfung Oberbaumeister Hänel, Professor Nicolai und Stadtbaumeister Friedrich beauftragt wurden. Die Ausführung des Architekten Paul Weidner, der gerade mit Ernst Giese eine Baufirma gründete, erhielt danach den ersten Preis. Unter Weidners und Gieses Oberleitung entstand von 1875 bis 1876 an der Südgrenze von Blasewitz, inmitten von Wald und Feld, auf der Oststraße/Ecke Prohliser Straße (heute Wägner-/Ecke Kretschmerstraße) ein dem Klassizismus verbundener Bau. Die örtliche Bauaufsicht übernahm Baumeister Friedrich August Hartmann. Das Gebäude hatte die Gemeinde 135 000 Mark, der Bauplatz 24.000 Mark gekostet, sie aber ihren Kindern ein schönes Schulheim geschaffen, das im ganzen Bezirk als ein Musterschulbau galt. Es war eines der ersten und größten, die nach den schulgesetzlichen Bestimmungen vom Jahre 1873 erbaut worden waren, und man hatte bei seinem Bau auch allen hygienischen Anforderungen damaliger Zeit zu entsprechen gesucht. Am 1. April 1876 war die Schule fertig; jedoch erst Wochen später, am 16. Juni, die festliche Weihe für die Gemeinde, der Tag, an dem vier Lehrer, unter ihnen Schuldirektor Emil Müller, und 340 Schüler, mit dabei nun auch Kinder aus Striesen, aus dem Naumannstift in die Oststraße, die später zu einem Teil, dem Bereich Schulgebäude bis Kreuzung Striesener Straße (heute Hüblerstraße), in Schulstraße umbenannt wurde.

An jenem 16. Juni 1876 versammelten sich am ehemaligen Schulgebäude an der Naumannstraße die Festteilnehmer. Nach dem Gesang einer Motette und einer kurzen Abschiedsfeier in Wort und Lied setzte sich der Festzug zur neuen Schule in Bewegung. Voran zog eine Abteilung der Blasewitzer Feuerwehr, hinterher ein Mädchen, das auf einem Kissen die Schlüssel zum neuen Gebäude trug. Ihm schlossen sich die Schulmädchen und deren Lehrer an. Hinter der Mädchenabteilung schritt die Musikgruppe, der die Jungen mit ihren Lehrern folgten. Eine stattliche Zahl Ehrengäste, die Mitglieder des Schulvorstandes und des Gemeinderates sowie des Gesang-, Orts- und Militärvereins ehrten durch ihre Teilnahme den Zug, der mit einer zweiten Abteilung der Feuerwehr abschloss. Durch die Baumschulen- (heute Brucknerstraße), Berggarten- und Prohliser Straße (heute Kretschmerstraße) bewegte sich der Festzug zum Haupteingang der neuen Schule. Die Weihe des Schulhauses, an der Minister Dr. v. Gerber teilnahm, vollzog der Königliche Bezirksschulinspektor Schulrat Dr. Halin.

Das schöne neue Schulgebäude enthielt neben acht Lehrzimmern - je vier im Erdgeschoss und im ersten Stock und drei Lehrerwohnungen im zweiten Stockwerk gleichzeitig eine im gleichen Stil erbaute, separat stehende große Turnhalle. Der 1. Juli blieb noch einem Festmahl im "Restaurant Heinemann", dem späteren "Goethegarten", vorbehalten, wo man nachträglich die Einweihung der Schule noch einmal als das Gemeindeereignis beging und sich "des Fortschritts und Aufblühens im Blasewitzer Schulwesen" erfreute.

Nach der Übersiedlung aus der Dorfschule in das neue Gebäude erfolgte eine Umfunktionierung des alten. Im Januar 1877 zog die Gemeindeverwaltung samt Standesamt in das ehemalige Naumannstift ein.
Gewiss berücksichtigte der neue Schulbau schon die Richtlinien für eine einfache Volksschule und die Turnhalle deutete bereits rein äußerlich auf neue Ziele hin, doch wie sahen sie aus fürs einfache Volk. Es waren die bescheidensten Unterrichtsziele. Verglichen mit denen der Privatschulen in der Umgebung kam der einfachen Volksschule in Blasewitz bis zum Anfang der neunziger Jahre eine "Aschenbrödelrolle" zu.

Ihr Hauptziel war der in 1 des Gesetzes vom 26. April 1873 aufgestellte Zweck:
"Der Jugend durch Unterricht, Übung und Erziehung die Grundlagen sittlich religiöser Bildung und die für das bürgerliche Leben nötigen allgemeinen Kenntnisse und Fertigkeiten zu gewähren." Gegenstand des Unterrichts an der Volksschule waren Religions- und Sittenlehre, Deutsche Sprache mit Lesen und Schreiben, Rechnen, Formenlehre, Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte und Naturlehre, Gesang, Zeichnen, Turnen und für die Mädchen weibliche Handarbeiten. Für weibliche Handarbeiten hatte man schon 1876 eine Lehrerin angestellt. Es gehörte damals viel Mut dazu, wenn sich eine Frau entschloss, Lehrerin zu werden; galten doch berufliche Pflichten der Ehefrau und Mutter als unvereinbar. Der Beruf der Lehrerin begann sich jedoch durchzusetzen, zunächst vorwiegend wie hier bei der Erziehung der Mädchen.

Mit der Volksschule verbunden war in dem Blasewitzer Schulhaus eine dreiklassige Fortbildungsschule. Deren Unterricht wurde zunächst nur während des Winterhalbjahres erteilt und das in jeder Klasse wöchentlich zweimal zwei Stunden nach dem vom Königlichen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts festgesetzten Lehrplan. Die Fortbildungsschule gewann zu jener Zeit wachsende Bedeutung, da mit der Entwicklung der Industrie die Ansprüche an das Bildungsniveau der werktätigen Jugend anstiegen und mit den Fortbildungsschulen zugleich die Möglichkeit bestand, die aus den Volksschulen entlassenen Jugendlichen weiterhin unter dem Einfluss der kaiser- und königstreuen Ordnung und damit fern von der gegen soziale Missstände kämpfenden Arbeiterbewegung zu halten.

Der evangelisch-lutherischen Kirche bot die geräumige und helle Turnhalle bis zur Einweihung der Heilig-Geist-Kirche im Jahre 1893 über nahezu zwei Jahrzehnte einen geeigneten Platz zur Abhaltung der Gottesdienste. Diese wurden von Diakonen der Kreuzkirche abwechselnd und ohne Gebühr zu verlangen, dem Vorbild ihres Oberhirten folgend, übernommen. Jeden zweiten Sonntag kam ein Diakon in die Schule, den Gottesdienst und nach Befinden mit Abendmahlsfeier durchzuführen. Seit Michaelis 1879 wurde im Blasewitzer Schulhaus auch der Konfirmationsunterricht erteilt und im Saal die Konfirmation vollzogen. Der erste Blasewitzer Geistliche, Pfarrer Woldemar Leonhardi, übernahm ab 1887 den Religionsunterricht. Dieser neue und hier nie wiedergekehrte Zustand der hautnahen Verbindung Kirche und Schule hatte noch weitere enge Verquickungen zur Folge, die einer in erster Linie religiös ausgerichteten Bildungseinrichtung wie der in Blasewitz entgegenkam. Bis 1918 blieb der Ortsgeistliche im Schulvorstand präsent und umgekehrt ein Lehrer in der Blasewitzer Parochie. Schließlich gehörte nach 2 der neuen Lokalschulordnung für die hiesige Schulgemeinde, deren Bestätigung durch die Königliche Bezirksschulinspektion Dresden II am 12. November 1897 erfolgte, zu den fortan sechs Mitgliedern der Bürgerlichen Gemeindevertretung neben dem Schuldirektor und einem Lehrer der Schule stets an erster Stelle der Ortspfarrer. Zur Grundsteinlegung für die Blasewitzer Ortskirche 1891 traten Schulchormitglieder unter Leitung des Lehrers und Kantors Lohse in einem "gemischten" Chor auf. Dieser Schulchor bestand 1894 aus 15 Knaben- und 4 Männerstimmen. In ähnlicher Weise, als Lehrer und Kantor, wirkte auch später der an der Schule legendäre Kantor Grünewald.

Die von oben vollzogene Nationaleinheit ließ auch in den Volksschulen den seit dem Ringen um nationale Unabhängigkeit aufgekommenen Gedanken der Körperertüchtigung, wie er bspw. von Friedrich Ludwig Jahn für die Volksbefreiungsarmee im Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft erstrebt worden war, aktuell werden. Man verdrängte den ursprünglichen Gedanken und beugte sich nur deshalb den sich damals wachgehaltenen Forderungen von Pädagogen nach körperlicher Bildung und Erziehung, weil ein gesunder Körper besser für Industrie und Armee ausgebeutet werden konnte. Auf diese Weise wurde das Fach Turnen seit 1873 in sächsischen Schulen obligatorisch, stand fortan die Blasewitzer Turnhalle auf dem Hof des Schulgebäudes. Als am 5. November 1879 im Gasthof zu Blasewitz die Gründungsversammlung des bürgerlichen Blasewitzer Turnvereins erfolgt war, lag nichts näher, als dass von da an die Mehrzweckhalle nun auch von ihm genutzt wurde und viele hiesige Kinder und Jugendliche der Schule im Verein Aufnahme fanden.

Die einfache Volksschule zu Blasewitz wurde 1894 zu einer mittleren Volksschule erhoben. Bis zum Jahre 1897 erfolgte deren vollständiger Ausbau. Das hatte die Anstellung einer neuen ständigen Lehrkraft und die Vermehrung der Unterrichtsräume zur Folge. Anfang April 1897 wurde das Zimmer im Erdgeschoss rechts, das die Handfertigkeits-Privatschule seit ihrem Bestehen genutzt hatte, von der mittleren Volksschule als 13. Lehrzimmer bezogen und daher von jener geräumt. Nachdem die Handfertigkeitsschule eine zeitlang ihren Unterricht in sich als ungünstig erwiesenen Mietsräumen erteilt hatte, musste sie ihre Tätigkeit einstellen. Neue Lehrpläne wurden für die mittlere Volksschule geschaffen. Die für Religion und Deutsch blieben, 1897/98 aber die neuen Lehrpläne für Anthropologie, Naturlehre, Chemie, Geschichte, Geographie, Rechnen, Geometrie, Gesang, Zeichnen und Turnen vom Lehrerkollegium ausgearbeitet, beraten und eingeführt. Dank der Bewilligung hoher Summen durch den Schulvorstand konnten das Lehrmittelzimmer reichlich ausgestattet bzw. die Beschaffung von Bildern, Modellen und Naturobjekten besonders ab 1896/97 rege betrieben werden. Für den Zeichenunterricht wurden zahlreiche Vorlagewerke und Modelle gekauft.

1897 wurde der Schulgarten ins Leben gerufen, ein reichlich 100 Quadratmeter großer Garten mit acht Beeten in der Westecke des Schulgrundstückes. Die Vermehrung der Lehrer- und Schülerbibliothek erfolgte, so dass 1900 es insgesamt 112 wissenschaftliche Werke in 214 Bänden für die Lehrer gab, solche die von ihnen wegen der Preise selbst schwer zu beschaffen waren. Außerdem wurden Fachzeitschriften regelmäßig der Bibliothek überwiesen. Einige Blasewitzer Lehrer schenkten selbst wertvolle Bücher. Die Schülerbibliothek hatte 1900 bereits 738 wertvolle Bände zur Ausleihe.

Die mittlere Volksschule wurde Michaelis 1896 von 550 Kindern, im Dezember 1900 von 513 Kindern, 248 Knaben und 265 Mädchen, besucht; die Bürgerschule bzw. Höhere Volksschule hatte Ende 1900 in drei Klassen 94 Schüler, 63 Knaben, 31 Mädchen. Insgesamt besuchten 1900 also 607 Kinder die Ortsschule. 1900 schreibt Direktor Karl Barthel: "Vom Verhalten der Kinder darf Gutes gesagt werden, in der Schule hält sich infolge der Aufsicht und Zucht das Böse fern. Wenn die Kinder allerdings außerhalb der Schule von ihren Eltern nicht immer behütet und bewacht und zum Guten angehalten werden, kann es uns nicht wundern, dass manchmal Klagen über das Betragen der Kinder laut werden. Wir haben leider einige Male wegen Vergehen der Kinder außerhalb der Schule einschreiten müssen. Zwei Kinder der mittleren Volksschule sind sogar gerichtlich verurteilt worden. Groß ist dann der Kummer der Eltern und Lehrer!"

Alljährlich wurden bei der Entlassung der Konfirmanden solche Kinder ausgezeichnet, die sich durch ihr Verhalten, ihren Fleiß und ihre Fortschritte besonders hervorgetan haben. Auf Beschluss des Lehrerkollegiums erhielten Schülerinnen und Schüler Prämien; ab 1857 aus der Renner-Stiftung und ab 1895 aus der Augusta-Wilhelm-Petzold-Stiftung.

Nach dem Beschluss des Schulvorstandes vom 9. April 1896 wurde seit 1897 nicht mehr bloß im Winter (2 mal 2 Stunden wöchentlich), sondern auch im Sommer (2 Stunden wöchentlich) Unterricht an die Fortbildungsschüler erteilt. Seit 1. Februar 1898 wurden von der Schule aus Elternabende abgehalten; von da anfangs jedes Jahr einen. Die ersten zwei Abende hielten Schul- und Kirchgemeinde gemeinsam ab, dann aber gab es kein Zusammengehen an solchen Abenden, da es in Blasewitz an einem entsprechend großen Saal mangelte. Die vom Direktor Karl Barthel eingeführten Elternabende waren aus den Familienabenden der Kirchgemeinde heraus entstanden.

Schulfeierlichkeiten fanden statt zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs, der Entlassung der Konfirmanden, der Aufnahme der neueintretenden Elementaristen, seit 1896 zur Feier des Sedantages und zu öffentlichen Osterprüfungen. Anzahl und Art von Schulausflügen wurden durch die Schulordnung bestimmt. Die oberen vier Klassen unternahmen in jedem Sommer einen Tagesausflug in die Sächsische Schweiz (Gegend des Liliensteins, der Winterberge, des Papststeines). Einige Klassen führen und wanderten elbabwärts nach Meißen, Diesbar u. a. Orte, andere zogen in die Heide oder in den Tharandter Wald. Den unteren vier Klassen stand alljährlich ein Nachmittag zum gemeinsamen Spaziergang zur Verfügung (Pillnitz, Borsberg, Wachberg, Heide). Überdies besuchten die oberen vier Klassen in jedem Jahr einmal den Zoo oder den Botanischen Garten in Dresden.

Seit dem Sommer 1897 gab es von Mitte April bis Mitte OktoberJugendspiele für die Blasewitzer Kinder dieser Schule an zwei schulfreien Nachmittagen über zwei Stunden hinweg auf einem schönen großen Elbwiesenstück, das die Schulgemeinde im Jahre 1895 erworben hatte. Von der Hochuferstraße (heute Käthe-Kollwitz-Ufer) aus konnte man Mittwochnachmittag Jungen Pritsch- und Fußball, die Mädchen Schlagball spielen sehen. Bei schönem Wetter waren es manchmal bis zu 160 Kinder der Gemeinde.

Im Jahre 1896 übergab ein Gönner der Schule dem Direktor 100 Mark zur Bekleidung armer Kinder. Wenige Wochen darauf kam kein Kind mehr barfuss, ohne Ranzen und kein Knabe ohne Kopfbedeckung zur Schule. Als Michaelis 1897 das Geld aufgebraucht war, überreichte derselbe Wohltäter eine Gabe von 50 Mark und ein anderer Freund der Schule 200 Mark. Der Blasewitzer Verband der "Sächsischen Fechtschule", der alljährlich eine größere Summe zur Ferienpflege gespendet hatte, überreichte Direktor Barthel 50 Mark vor dem Weihnachtsfest 1899 zur Bekleidung von Kindern armer Witwen, wodurch letztlich 20 Kindern eine Weihnachtsfreude bereitet wurde.

Wurden schon 1896 durch Beiträge wohltätiger Gemeindemitglieder die Mittel geboten, eine Milchkolonie für die Sommerferien ins Leben zu rufen, so erging vom Jahre 1897 ab alljährlich bei Beginn des Sommers der Ruf zu Beiträgen für eine Milchpflege daheim und für eine Ferienkolonie im Bethlehem-Stift zu Hüttengrund 1897 bis 1900 erhielten jährlich bis 50 Kinder die Milchpflege und 15 bis 20 Kinder die Ferienpflege im Bethlehem-Stift.

Am 30. Mai 1896 gab der erste Direktor der Schule, Herr Emil Müller, wegen schwerer Erkrankung sein Amt auf; am 2. August verstarb er, und am 5. August wurde er unter großer Teilnahme der Gemeinde auf dem Johannisfriedhof zu Tolkewitz bestattet. Dr. Phil. Karl Barthel übernahm am 1. August das Amt des Schuldirektors und Ortsschulinspektors. Ende 1896 bestand das Kollegium aus 13 Lehrern. Infolge Vermehrung der Unterrichtsstunden in allen Klassen der mittleren Volksschule wurde Ostern 1897 die Anstellung eines 14. Lehrers, Otto Hölemaun, notwendig. Ostern 1898 entstand die höhere Volkschule mit der Elementarklasse, womit eine 15. Lehrerstelle verbunden war, nämlich die des Schulamtskandidaten Ernst Großmann, bis dahin Lehrer am Institut des Direktors Thümer in Blasewitz. 25-jähriges Amtsjubiläum beging am 13. April 1899 der Lehrer Reinhard Seydel, der im Mai Oberlehrer wurde. Er und Oberlehrer Lohse feierten am 1. Mai 1901 dann noch ihr 25-jähriges Ortsjubiläum.Mit Beginn des Schuljahres 1901/02 bestand das Kollegium aus 15 ständigen Lehrkräften, 3 Hilfslehrern, 1 Vikar und 2 Handarbeitslehrerinnen.

Ostern 1898 trat nach dem Beschluss des Schulvorstandes vom 3. März 1898 wie schon festgestellt die höhere Volksschule, die Bürgerschule mit der Elementarklasse ins Leben. Bis Ostern 1905 erfolgte ihr Ausbau zu 8 Klassen. Bereits 1900 hieß es in Blasewitz: "Die Bürgerschule strebt denselben Zielen zu wie die Dresdner Bürgerschulen; nur wird sie mit dem fremdsprachigen Unterricht schon im vierten Schuljahr (statt im 5.) beginnen, ohne jedoch die Pflege der deutschen Sprache und Literatur zu beeinträchtigen."

Die Unterbringung der neuen Schule war 1898 zunächst problematisch. Ein einfenstriger Raum, das einstige Lehrmittelzimmer, so groß wie eine Wohnstube, musste eine kleine Klasse der mittleren Volksschule für ein halbes Jahr aufnehmen. Am 21. November 1898 wurden die beiden neuen Unterrichtszimmer im 1. und 2. Stock des Ausbaues von den Klassen Mädchen 4 und Knaben 1 bezogen. Ostern 1900, nach Aufnahme zwei weiterer Elementarklassen in die Bürgerschule, waren alle vorhandenen Räume wieder gefüllt. Doch der Schulvorstand hatte schon für den großen Anbau gesorgt. Am 11. Juni 1900 begannen die Baumaßnahmen zum Anbau an der Prohliser Straße (heute Kretschmerstraße), womit auch der An- und Umbau der Turnhalle verbunden war.

Heute, im Schuljahr 1995/96, dem Jahr erneuerter Rekonstruktion, können das Lehrer und Schüler der 63. Grund- und Mittelschule bestens nachempfinden, was das an Störungen des regelmäßigen Unterrichtsablaufes mit sich brachte. Als damals sogar in den Korridoren unterrichtet werden musste, kam da die in den großen Ferien 1900 eingeweihte Zentralheizung im alten Schulgebäude zu Hilfe, deren Rohre dort entlang führten. Schon seit dem 4. Dezember 1900 konnte in der nun neuen Turnhalle das frische und frohe Treiben weitergehen.

In den Grundstein des Anbaues vom Jahre 1900 sind in einer vom damaligen Direktor Barthel verfassten und dort eingelegten Urkunde u. a. folgende Zeilen zu lesen:
"Als der Michaelis 1894 begonnene Ausbau der einfachen Volksschule zu einer mittleren Ostern 1897 vollendet war, fasste der Schulvorstand am 3. März 1898 den Beschluss, neben der mittleren eine höhere Volksschule zu errichten ... Wie vorauszusehen, waren Oktober 1900 ... alle Räumlichkeiten zu Lehrzwecken vollständig ausgenutzt. Zeigte der Erweiterungsbau vom Jahre 1898 schon an, in welcher Weise die Vermehrung der nötig werdenden Unterrichtsräume stattlinden könne, so trug man sich doch längere Zeit mit dem Plane, ein neues, besonderes Schulgebäude für die höhere Volksschule auf dem von der Schulgemeinde erworbenen, an der Prohliser Straße, gegenüber dem Schulgrundstück gelegenen Areale erbauen zu lassen; man beschloss aber am 12. Oktober 1899 mit Rücksicht auf die Kosten statt des Neubaues einen weiteren Anbau, der Prüfungssaal, 7 Unterrichts- und 2 Lehrerzimmer, sowie die Kellerräume für die Zentralheizung beschaffen soll, um der höheren Volksschule ein mit der alten Volksschule zwar räumlich vereinigtes aber selbständiges Heim zu gründen. Wie der Erweiterungsbau vom Jahre 1898, so gelangt auch dieser nach einem an die architektonischen Formen des alten Gebäudes sich anschließenden, von dem Baumeister Karl Emil Scherz hier aufgestellten, von dem Schulvorstande hier angenommenen und von der Königlichen Schulinspektion zu Dresden-Neustadt genehmigten Baurisse unter der Oberleitung des Baumeisters Scherz zur Ausführung, und zwar in den Maurer- und Zimmerarbeiten durch den Baumeister Emil Wägner hier und in den Steinmetzarbeiten durch die Steinmetzmeister Vogel und Müller zu Dresden. Am 11. Juni d. J. wurde mit dem Baue begonnen, der unter Gottes gnädigen Schutze zum Segen der Gemeinde Blasewitz erstehen möge."

Im Jahre 1900 hatte die höhere Volksschule 94 Schüler und Schülerinnen in drei Klassen (63 Knaben und 31 Mädchen). Davon waren 60 Blasewitzer und 34 Auswärtige.

Die Schuljahre 1901 bis 1905 waren gekennzeichnet durch mittlere Volks- und Fortbildungsschule, sowie höhere Volksschule und die Gymnasialabteilung in einem Schulkomplex, letztere entstanden aus dem Willen der Gemeinde, sich nicht von Dresden einverleiben zu lassen, autonom zu bleiben. Bestand das Kollegium Ostern 1901 noch aus 20 Lehrern, so waren es infolge des Ausbaues der höheren Bürgerschule und der Errichtung von Gymnasialklassen Ostern 1905 schon zehn mehr. Der Ausbau der Gymnasialabteilung bis zur Quarta erforderte Ostern 1905 u. a. die Berufung des Dr. phil. Gottfried Noth von der Realschule zu Aue.

Mehrfache Inspektionen der Schule und ihrer Einrichtungen erfolgte im Laufe der fünf Jahre durch Schulrat Dr. Lange. Außerdem hielt der Königliche Bezirksschulinspektor mit der Lehrerschaft der Elbortschaften des Schulbezirkes östlich von Dresden jährlich eine bzw. zwei amtliche Konferenzen in Goethegarten am Schillerplatz [zum Vergrößern bitte klicken]Blasewitz ab. Wesentlicher Beratungsgegenstand war der Deutschunterricht. Zu Demonstrationszwecken hielten dann Blasewitzer Lehrer Hospitationsstunden. Extra hospitierte der Königliche Bezirksschulinspektor. Im Saale des Hotels Goethegarten fand am 3. November 1904 die Jahreshauptversammlung der Lehrerschaft des Schulaufsichtsbezirkes Dresden III statt, woran sich nachmittags eine musikalische Unterhaltung anschloss, in der der Schulchor mehrere dreistimmige Chöre vortrug.

Am 16. Dezember 1902 prüfte Superintendent Konsistorialrat D. Benz den Religionsunterricht an der Blasewitzer Schule, nachdem sonntags zuvor die Kirchenvisitation erfolgt war. Die unterschiedlichen Schultypen des Hauses wurden am Ende des Jahres 1901 von 650, 1902 von 659, 1903 von 725, 1904 von 819 Kindern besucht. Mitte November 1904 wurden aufgrund von Beschlüssen des Bundesrates und Reichstages nach Generalverordnung des Königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts in sämtlichen Volksschulen anhand von Fragebogen Erhebungen über die Lohnbeschäftigung von Kindern in Haushalt, Landwirtschaft und deren Nebenbetrieben vorgenommen. Es wurde für die Blasewitzer mittlere Volksschule festgestellt, dass in häuslichen Dienstverrichtungen 52 Knaben und 43 Mädchen gegen Lohn beschäftigt waren, in land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten 31 Knaben und Mädchen. Die landwirtschaftliche Lehnarbeit der Kinder bestand vorrangig im Jäten und Obstpflücken.

Zur "Auszeichnung braver Schüler und Schülerinnen" standen der Blasewitzer Schule jährlich gegen 70 Mark Zinsen von den Vermächtnissen der Justine-Renner-Stiftung (1905 inzwischen 300 Mark) und der Augusta-Wilhelm-Petzold-Stiftung (1.000 Mark) zur Verfügung. Dafür wurden Bücherprämien für Konfirmanden gekauft, die in den "Hauptzensuren" (Betragen, Fleiß, Aufmerksamkeit und Ordnungsliebe) mit Note 1 abgingen und sich in den letzten Jahren ihrer Schulzeit gut aufgeführt hatten. Zu ihnen gehörte 1904 u.a. Albert Kotzsch. Weitere Auszeichnungen wurden möglich durch die Schenkung von 50 Mark für Bücher im Jahre 1902 durch den Grundbesitzerverein Blasewitz. Außerdem erhielt jedes Kind zur Entlassung nach erfüllter Schulpflicht einen Wandspruch mit dem Bibelwort, das der Abschiedsrede des Direktors zugrunde lag. Einen Teil der Konfirmanden wurde Ostern 1904 anstatt des Wandspruches die Ludwig-Richter-Gabe des Leipziger Lehrervereins überreicht.

In der Blasewitzer dreiklassigen Fortbildungsschule, deren Schülerzahl 51 im Dezember 1901, 53 im Dezember 1904 betrug, wurde der Unterricht wie gehabt fortgesetzt. Den damals neueren Forderungen betreffs Fortbildungsschule, der Schüler in Berufs- bzw. Fachklassen überzuführen, war hier bei dem stetig sich erneuernden Schülerbestand nicht möglich. Zwei Gründe sprachen dagegen: Erstens die Vielheit der Berufe bei der verhältnismäßig geringen Zahl von Schülern und zweitens die jedem Schüler gewährte Möglichkeit des Eintritts in eine Innungsschule der benachbarten Großstadt Die Blasewitzer Fortbildungsschule hatte deshalb den Charakter einer allgemeinen beibehalten, die auf Geschäftsaufsatz, Buchführung, Volkswirtschaftslehre und gewerbliches Rechnen den Hauptwert legte. Über das Betragen der Fortbildungsschüler wurde eingeschätzt, dass eine "besondere Klage nicht zu führen" war. "Zwar mussten im Laufe der Berichtsjahre (1901-1905, D. P.) 10 Schüler mit Karzer wegen Unfugs auf dem Schulwege und wegen achtungswidrigen Benehmens bestraft werden; das waren aber meist solche, die sich erst an die Schulzucht hier gewöhnen mussten."

Der Schulbesuch erfolgte regelmäßig und pünktlich. Bei allen Versäumnissen von 1901 bis 1905 kam es nur zu einem unentschuldigten Tag. Die Leitung der Fortbildungsschule übernahm ab 1. Januar 1904 Oberlehrer Seydel zur Entlastung des Dr. Barthel, dessen Amtsobliegenheiten zugenommen hatten. Auch für die Fortbildungsschule wurden aus der Schulklasse jährlich 30 Mark bewilligt; zum Ankauf guter Bücher, zur "Belohnung braver Schüler".

1901 bis 1905 wurden sieben Elternabende bzw. Schüleraufführungen abgehalten, die mit Ausnahme zweier in der Schulaula oder im großen Saal des Hotels Goethegarten stattfanden. Während sich früher die Familien an Tischen versammelt hatten, musste wegen immer stärkeren Besuchs der Aufführungen, die den Charakter feierlicher Schulkonzerte hatten, Stuhlreihen aufgestellt werden, wodurch auch mehr Eintrittskarten verkauft werden konnten (1904 mehr als 700). Anlässe waren beispielsweise die Prüfungswoche zu Ostern, das Weihnachtsfest, der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. Während der Veranstaltungen mit thematischen pädagogisch-psychologischen Vorträgen wurden sogenannte Festspiele (Theaterstücke) durch Schüler aufgeführt mit Darbietungen von Tonkünstlern, wobei vor allem Lehrer wie Herr Wolf, Oberlehrer Kantor Lohse, am Flügel und am Harmonium Organist Teich agierten. Auch Chorauftritte und Tanzdarbietungen durch Schüler gab es jedes Mal. Während des Elternabends am 29. März 1901 nahm Direktor Barthel eine von der ehemaligen Handarbeitslehrerin Frl. Helene Damm aus Oybin gefertigte und der Schule geschenkte neue seidene Schulfahne entgegen.

Schon seit Ende des letzten Jahrhunderts wurde auf die patriotische Erziehung der Jugend großer Wert gelegt. Die Entfaltung der Fahne sollte "namentlich auf den Knabencharakter einen besonderen Ansporn zur Entwicklung eines gewissen Selbstgefühls" ausüben. Bis hin zum 1. Weltkrieg galten dieser patriotischen Erziehung in zunehmenden Maße auch die Schulfeiern. Feierlichkeiten hielt die Schule zum Geburtstag Sr. Majestät des Königs und zum Sedantage ab. Auf Anregung des Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts und nach einem Beschlusse des Schulvorstandes wurde seit 1904 der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers begangen.

König Albert von Sachsen (1828-1902) [zum Vergrößern bitte klicken]In Berichten der Schule zu Blasewitz lesen wir:
"In den ersten Junitagen des Jahres 1902 traf aus Sibyllenort in Schlesien die jedes Sachsenherz betrübende Kunde ein, Se. Majestät König Albert sei schwer erkrankt. Die bange Sorge des Sachsenvolkes um das teure Leben seines Landesvaters verwandelte sich in tiefe Trauer, als König Albert am 19. Juni 1902 fern von seinem Volke verschieden war. Am 21. Juni veranstaltete die hiesige Schule die Trauerfeier. Die Gedächtnisrede hielt Herr Lehrer Lehmann, der auf die Frage 'Wer war König Albert?' ausführte:

"Deutschlands Begründer, Berater,
Der Sachsen treusorgender Vater,
Und Vorbild für uns,
Das war er."

Und an anderer Stelle: "Sonnabend, am 15. Oktober 1904, ertönte vom Turme der hiesigen Kirche statt des Morgengeläutes ein ernstes Trauergeläute; es brachte uns zuerst die schmerzliche Botschaft, dass unser schwergeprüfter Landesvater Se. Majestät König Georg in der letzten Nacht zur ewigen Ruhe eingegangen war. Am Abend des 17. Oktober führte das den Namen des verstorbenen Königs tragende Schiff den hohen Toten von Pillnitz in seine Residenz. Während es gegen halb 8 Uhr an der Blasewitzer Flur vorüber fuhr, begrüßten über 100 Kinder aus den oberen Klassen unserer Schule den heimziehenden König auf der letzten Fahrt mit dem Chorale: 'Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen'. Am 19. Oktober vormittags 9 Uhr fand im Schulsaale die Trauerfeierlichkeit statt, in der Herr Lehrer Baumann zeigte, wie sich in dem Leben des heimgegangenen Landesvater des Schriftwort Ps. 90,10 erfüllt hat. - Gott, der Herr, segne unseren neuen König Friedrich August in seinem hohen Berufe, unser Vaterland und Volk mit Frieden, Wohlfahrt und Gedeihen!"  Neben weiteren Schulfeiern wie insbesondere die zur 100. Wiederkehr des Todestages von Johann Gottlieb Naumann, die ja auch von schulgeschichtlicher Bedeutung war, Schulentlassungsfeiern und denen zur Aufnahme von neueintretenden Elementarschülern und öffentlichen Prüfungen, ragte in jenen Jahren die Feier zum Einzug in die neuen Unterrichtsräume und das sich anschließende Fest der Jugend heraus.

Am 16. Juni 1901 vollendeten sich 25 Jahre seit der Weihe des Ortsschulgebäudes. Deshalb fand Montag, den 17. Juni, vormittags 8 Uhr, im Saal der Schule ein Festakt statt, bei dem gleichzeitig die Einweihung der neuen Bürgerschulräume vollzogen wurde. Neben dem Schülercötus der oberen Klassen füllten etwa 200 Personen den mit Blumen und den Schulfahnen geschmückten Festsaal zu dieser Feier, an der Amtshauptmann Geh. Regierungsrat von Craushaar und der Bezirksschulinspektor Schulrat Dr. Lange sowie der Vertreter des Blasewitzer Gemeinderates, Schul- und Kirchenvorstand teilnahmen. Die Ehrengäste besichtigten nach der Feier das Schulhaus und -gelände mit seinen Einrichtungen. - Nach dem Festakt fand die Feier ihre Fortsetzung in den Ausflügen der Schulklassen, die in der mittleren Volksschule zu Gruppen vereinigt waren. Die Jungenklassen 1 bis 3 fuhren nach Niederwartha mit der Eisenbahn und wanderten von dort zur Neudeckmühle im Saubachtal; die Mädchenklassen 1 bis 3 benutzten bis Heidenau das Schiff und gelangten zu Fuß nach Dohna. Die Kleineren trug ebenfalls das Schiff nach Pillnitz; während sich die Mädchen (4. - 6. Klasse) in Zschieren danach an vielfältigen Spielen erfreuten, "schossen die Jungen (4. und 5. Klasse) auf dem Borsberg ihren Vogel ab". Die Kleinsten feierten ihr Schulfest in der Nähe, die Knabenklasse 6 bis 8 auf dem Wachberg und die Mädchenklasse 7 und 8 in Ehlichs Restaurant an der Elbe in Wachwitz. Die Schüler und Schülerinnen der Bürgerschule brachte ein Schiff mit Musik zum Waldschlößchen in Dresden-Neustadt, wo allerlei Belustigungen für sie vorbereitet waren. Alle Kinder wurden mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie Abendbrot bewirtet, außerdem erhielten sie Andenken und Gewinne. Die Kapelle, die auf dem Waldschlößchen während des Nachmittags aufgespielt hatte, begab sich gegen Abend nach Pillnitz, um die Abteilungen von Dohna, Zschieren, Borsberg und Wachwitz auf einem Extradampfer bei der Heimfahrt zu begleiten. Von einer Menge Menschen begrüßt, langten die Ausflügler gegen halb 9 Uhr abends in der Heimat an, wo sich alsbald in dem Schulhof die Kinder zu einem Lampionumzug aufstellten, der von dem Musikkorps eröffnet, durch die Hauptstraßen des Ortes zog, deren illuminierte Häuser die frohe Kinderschar mit Buntfeuer begrüßten.

Im Sommer fanden wöchentlich wieder die Jugendspiele auf der Elbwiese statt; in erweiterter Form mit noch mehr Spielgeräten. Außer den schon traditionellen Jugendspielen erhielten die Kinder aufgrund eines Vertrages der Gemeinde mit dem Besitzer der Blasewitzer Elbbadeanstalt Dauerkarten zu unentgeltlichen Bädern. Dafür zahlte die Gemeinde jährlich 200 Mark; die Schule versäumte nicht, auch mit den oberen Jungenklassen bei günstigem Wetter statt in die Turnhalle zu Schwimmübungen in die Bäder zu gehen. Im Winter gab die Schule Ausweiskarten für die Eisbahn im Waldpark an die Kinder aus; gegen Vorzeigen derselben durften sich die Schüler der höheren Bürgerschule für 10 Pfennig, die der mittleren Volksschule für 5 Pfennig auf der schönen, vor Wind geschützten Eisbahn tummeln.

Im Blasewitz der Wohlhabenden kam es wieder zu "Hilfs- und Bekleidungsfonds für bedürftige Schulkinder" sowie "Ferienkolonie und Milchpflege". Beiträge von "Kinderfreunden" ermöglichten weiterhin den Kauf von Schuhen, Ranzen, Mützen usw.

Der Verband Blasewitz der Sächsischen Fechtschule veranstaltete am 13. Dezember 1903 in der Schulturnhalle für 24 und am 11. Dezember 1904 in Böttgers Vereinshaus für 23 Kinder der Gemeinde - meist Waisen - eine schöne reiche Weihnachtsbescherung. Fortgesetzt wurde ebenfalls die Ferienpflege. In den Sommerferien aber zogen von 1901 bis 1904 jährlich 15 bis 18 Kinder in das Bethlehem-Stift im Hüttengrund bei Hohenstein-Ernsthal. Wer von den Bedürftigen nicht in die Fremde ziehen konnte oder wollte, der wurde in Blasewitz in die Milchpflege aufgenommen, wo ihm früh und abends je ein halber Liter kuhwarme Milch mit Semmel gereicht wurde; das betraf 38 bis 90 Kinder. Jährlich gingen schließlich weit über 1.000 Mark von Spendern für die Ferienpflege der Schule zu. Blieb Geld übrig, gelangte es sofort an die Blasewitzer Sparkasse.

Von außen waren Forderungen zur Kunsterziehung mit mannigfaltigen Anregungen an die Lehrerschaft herangetreten. Einen nicht geringen Anteil daran hatte der in Blasewitz ansässige Ferdinand Avenarius. Obwohl das Kollegium sehr skeptisch der Realisierung insbesondere die Volksschule betreffend entgegensah, bemühte man sich hier dennoch um Machbares. Die Schule lenkte nicht allein auf die Erwerbung neuerer, künstlerisch wertvoller Lehrmittel, sondern auch auf die Ausstattung der Schulräume mit guten Bildern ihre Aufmerksamkeit, wobei sie von kunstsinnigen Gönnern durch Spenden unterstützt wurde. Wer z.B. die Korridore der Bürgerschule betrat, dem fielen drei große künstlerisch wertvolle Originalkartons auf, deren Schöpfer Friedrich Preller war. Einer war der Entwurf zu dem Gemälde Prometheus (Wandelhalle Universität Leipzig), die beiden anderen waren die letzten Vorarbeiten zu Ölgemälden, deren Ausführung dem Meister nicht mehr vergönnt war. Frau Preller übergab diese Arbeiten ihres im Jahre 1901 in Blasewitz verstorbenen Gatten der Gemeinde, die sie mit passenden Rahmen versehen ließ und der Schule schenkte. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch noch einmal an das Reliefbild des kurfürstlichen Kapellmeisters J. G. Naumann, das der SchöpferBildhauer Bruno Fischer im Auftrage der Gemeinde an der rechten Wand am Eingang zur Bürgerschule anbrachte. Die Ludwig-Richter-Feier gab 1903 die Anregung, Richters 24 Volksbilder als Wandschmuck auf die Lehrerzimmer der Schule zu verteilen. Insgesamt gab es 1904 bereits 66 gerahmte Wandbilder.

Die Missionstätigkeit wurde zu jener Zeit schulisch vor allem in bezug auf die Kolonien gelenkt. Seit 1901 nahm die Schule durch Sammlungen von Pfennigbeiträgen für die Mission teil. Gedanken wie die "Bekehrung der Heiden" wurden damit verwoben, die Erweckung des "Missionsverständnisses" und die Förderung des "Missionseifers" bei den Kindern in Richtung der angestrebten Kolonien Asiens und Afrikas gelenkt. Die Kinderbeiträge von 59 Mark bis 111,81 Mark wurden durch Konfirmandinnen jährlich an den Bezirksmissionsverein Blasewitz und Umgebung abgeliefert. Religions-, Geschichts- und Geographieunterricht vor der Karte der Kolonien taten ihr übriges.

Die höhere Bürgerschule zog Ostern 1901 mit den unteren vier Schuljahren in die freundlichen, hellen Räume des Schulhauses ein, die nun nach Ausbau der Schule alle besetzt waren. Zehn Unterrichtsräume und ein Lehrerzimmer standen ihr zur Verfügung, während die Turnhalle der höheren und auch der mittleren Volksschule diente, wie auch der Schulsaal für Zeichnen und Gesangsunterricht von beiden Schulen besetzt wurde. Die Lehrerzimmer für Knaben befanden sich im Erdgeschoss. Wies die Bürgerschule Ostern 1901 noch eine gemischte Klasse im 3. Schuljahr auf, so war infolge der Schülerzunahme und nach Eintritt des 5. Schuljahres Ostern 1902 die vollständige Trennung der Geschlechter vorgenommen:
Es entstanden fünf Knaben- und fünf Mädchenklassen. Die Schülerzahl verminderte sich von der 4. Knabenklasse an wegen Übergangs vieler Schüler aus der 5. Klasse in höhere Schulen; insgesamt 27 der Blasewitzer Jungen wandten sich in dem Jahre höheren Unterrichtsanstalten zu, davon 12 der Blasewitzer Gymnasialsexta. Da auch in den Mädchenklassen eine vollere Besetzung möglich wurde, beschloss der Schulvorstand das 5. und 6. sowie das 7. und 8. Schuljahr auf je eine Klasse zu vereinigen, so dass die Klassen 4 bis 1 fremdsprachigen Unterricht sowie Rechnen und Geometrie gesondert empfingen, was die Klassenbenennung 4/3 und 2/1 rechtfertigte. - Das Lehrerkollegium stellte den Lehrplan für die höhere Bürgerschule auf. Es lehnte sich in einigen Unterrichtsgebieten an die Pläne der Dresdner Bürgerschule an, doch ging es bei Beratung der Lehrstoffe für Deutsch, Französisch, Rechnen, Geometrie, Geographie, Naturkunde, Gesang, Zeichnen und Turnen eigene von der Organisation der Schule vorgezeichnete Wege.

Von Ostern 1905 an umfasste die höhere Bürgerschule alle acht Schuljahre und stand als Vollanstalt da, an der außer dem Direktor 7 Lehrer, 4 Lehrerinnen und 2 Lehrerinnen für Nadelarbeitsunterricht wirkten. Schon bei sieben Schuljahren war 1904 die vom Schulvorstand 1899 prognostizierte Schülerzahl erreicht. Obwohl damals schon an auswärtige Schüler gedacht wurde, übertraf die Ende 1904 festgestellte Zahl von 136 Auswärtigen, nämlich 78 Dresdner und 58 aus umliegenden Ortschaften, alle Erwartungen. Für sie galt der doppelte Schulgeldsatz.

In die mittlere Volksschule wurden auswärtige Kinder bei wesentlich erhöhtem Schulgeldsatz nur ausnahmsweise aufgenommen, da ihre Klassen richtig besetzt waren.
Noch stand die höhere Bürgerschule nicht fertig da, so wurden Schulvorstand und Schuldirektor vor eine neue Aufgabe gestellt. Der Rat zu Dresden hatte beschlossen und durch ein Schreiben vom 1. April 1903 an den Gemeinderat mitgeteilt, dass von Ostern 1904 ab Kinder Blasewitzer Einwohner nicht mehr in städtische höhere Unterrichtsanstalten und Volksschulen aufgenommen werden sollten, "weil dauernd und regelmäßig Zuschüsse aus Dresdner Steuermitteln für eine ganz erhebliche Zahl von auswärtigen Schulkindern, hauptsächlich Blasewitzer Einwohner, gezahlt werden müssten, ohne dass deren Angehörige zu den Dresdner Schul- und Gemeindeanlagen beizutragen hätten". Das aber war nicht der eigentliche Grund, denn nach Feststellungen des Gemeinderates besuchten nur 46 Blasewitzer Schüler städtische höhere Schulen und 5 Dresdner Volksschulen. Vielmehr steckten erneut die Einverleibungsabsichten der Stadt daninter, wonach Blasewitz schon lange zu Dresden gehören sollte, die Gemeinde sich aber hartnäckig weigerte. Der Blasewitzer Schulvorstand beschloß deshalb am 26. Mai 1903, an die höhere Bürgerschule Gynmasialkiassen anzugliedern, und zwar schon ab Ostern desselben Jahres mit Eröfinung einer Sexta. Blasewitzer Schüler, die damals auf höhere Schulen übergehen wollten, waren alle schon anderwärts angemeldet worden, 5 Blasewitzer Knaben in dem Königlichen Gymnasium zu Dresden-Neustadt, die Dresdner in städtischen Schulen. Woher sollten nun so kurze Zeit vor Ostern die Schüler für die erste Sexta kommen? Für 4 Blasewitzer Knaben wurde die Anmeldung in Neustadt zurückgezogen und an die Blasewitzer Schule bewirkt; sie bildeten neben einem Auswärtigen, der bis dahin die Bürgerschule hier besucht hatte, den ersten Sextaners~un der Blasewitzer Gymnasialklassen.

 

Die Blasewitzer Gynmasiasten wollten ihre Würde durch eine bestimmte Mütze sichtbar machen, worauf sich der Schulvorstand für die Einfülming der blauen entschloß. Seit jener Zeit trugen die Bürgerschüler blaue Mützen mit einfacher Silbertresse, die Gynmasiasten die gleichen, aber mit doppeltem silbernen Paspel am unteren Mützenrand.

 

Mit 5 Schülern konnte die Sexta am 20. April 1903 beginnen. Sie bestand 1904 als Quinta aus 6 Schülern und die neue Sexta aus 23 Schülern, 12 Blasewitzern und 11 Auswärtigen. Der nun aufgrund von Beschlüssen des Schulvorstandes und Gemeinderates fortschreitende Ausbau des Realgymnasiums hatte schon für Ostern 1905 zahbeiche Anmeldungen zur Sexta. - Wo aber sollten die neu entstandenen Gymnasialklassen ihr Heim erhalten? Ostern 1903 bot zwar das noch nicht voll in Anspruch genommene Bürgerschulgebäude für Sexta Platz, aber 1904 war das Schulhaus von der in der Klassenzahl ausgebauten höheren Bürgerschule gänzlich besetzt. Man war wieder einmal auf einen Notbehelf angewiesen. Zunächst wurde ein Raum als Lehrzimmer verwendet, der sonst zur Aufbewahrung von Zeichenutensilien diente und dies war möglich, da zufallig eine Klasse der mittleren Volksschule, die erste Knabenklasse eine geringe Schülerzahl aufwies. Ostern 1904 bezog sie dies Zimmer von der Größe einer Wohnstube, dafür wurde ein Unterrichtsraum im Erdgeschoß für Sexta frei. Ein kleines Zimmer daneben, das bis dahln der Schulhausmaun für seine Zwecke genutzt hatte, und worin gerade 4 Bänke für 8 Schüler und ein Katheder Platz fanden, mußte der Quinta als Unterrichtsraum zugewiesen werden. Für die Zukunft hatte indes der Schulvorstand gesorgt, denn Ostern 1905 sollten Sexta, Qumta und Quarta geeignete Unterrichtsräume im Erdgeschoß des dem Direktor Thümer gehörenden Grundstückes an der Residenzstraße beziehen, bis der Neubau des Gymnasiums auf dem Schulplatz an der Prohliser Straße entstanden sei, wofür die Vorarbeiten bereits begonnen hatten.

 

Der Lehrplan der Blasewitzer Gymnasialklassen entsprach bis Ouarta den

Anforderungen, die der Lehrplan für die staatlichen Gymnasien und

Realgynmasien Sachsens stellte; erst von Untertertia an wich der Plan der

Realgynmasien von dem der Gymnasien wesentlich ab. Das Schulgeld war für

Blasewitzer und auswärtige Schüler dasselbe, 12 Mark jahrlich.

 

Mit dem Wachsen der Schülerzahl der Bürgerschule waren die Einnahmen an

Schulgeld von Jahr zu Jahr entsprechend gestiegen. Beliefen sie sich 1901 auf

6.093 Mark, so betrugen sie 1904 12.205 Mark. Besucht wurde die höhere

Bürgerschule 1901 bei 4 Schuljahren von 153 Kindern, Ostern 1905 sollte der Schülerstand bei 8 Klassen auf etwa 350 anwachsen. - Klagen über Zuspätkommen der Kinder wurden niemals laut. Wenn das seit Ostern 1901 für das ganze Schulhaus eingerichtete elektrische Uhreuläutwerk mit seinen sechs Glocken den Beginn des Unterrichts verkündete, so saßen in der Regel alle Kinder eifrig auf ihren Plätzen; während des Sommers um 7 Uhr im Morgensonnenschein, während des Winters um 8 Uhr in behaglicher Wärme, welche die zuverlässige Zentralheizung spendete.

 

Dank des Blasewitzer Schulvorstandes und der Spender für die Schule durch deren Gönner erführ die Lenrmittelsammiung seit 1901 unablässig weitere Förderung und zählte 1905 zu den besten ihrer Art. Erhebliches leisteten auch die Lehrer der Schule selbst dazu.

 

Aufgrund der gewaltigen kulturellen Entwicklung wurde auf die weitere Ausgestaltung der Lehrerbibliothek große Sorgfalt verwendet. Sie enthielt 1904 bereits 228 wissenschafüiche Werke in 341 Bänden, sowie 8 Notenwerke. Der Lehrerbibliothek gingen auch weiterhin bedeutende Schenlcungen zu, wie bspw. die "Stiftung eines Privatmannes" über 15.000 Mark. Ob Blasewitzer Bildhauer, Ingenieur oder Schriftsteller und nicht zuletzt Lehrer der Schule - sie spendeten unablässig für die Bibliothek. Regelmäßig erhielt die Lehrerbibliothek weiterhin die Fachzeitschriften "Sächsische Schulzeitung" und "Allgemeine deutsche Lehrerzeitung", sowie die Zeitschrift des "Allgemeinen Deutschen Sprachvereins". - Für eine sorgsame Auswahl guter Bücher der Schüierbibliothek wurde stets gesorgt. Viermal wöchentlich war Ausleihe für die 16 Klassen. Nach zehn Jahren hatte die Schulerbibliothek einen Bestand von über 1.000 Bänden.

 

Der Schulgarten als unmittelbare Anschauung des Lebens mit seinen Feld-,

Gemüse-, Gewürz- und Zierpflanzen, Heilpflanzen und technisch wichtigen

Gewächsen, Gift-, Wiesen- und Brachpflanzen wurde seit 1901 um ein neuntes

Beet, das der Waldpflanzen erweitert. Ein Gesteinsgarten und eine kleinere

Teichanlage, die nach einer Seite in einen Sumpf, nach der anderen in ein

Torimoor auslief, gab es inzwischen neu hier.

 

Deutsche Imperialisten und Militaristen versuchten zu ihrer ideologischen Kriegsvorbereitung, deren Schirmherr der deutsche Kaiser war, Schulen, Universitäten, Theater, Kirchen und Presse in ihren Dienst zu stellen, was ihnen auch bis hin zur Kriegshysterie im Volke gelang. Die Blasewitzer Schule bildete dabei keine Ausnahme, wie wir das bis 1905 bereits verfolgten. Ohne auf Unterrichtsinhalte einzugehen, was einer ausführlicheren Arbeit zur Blasewitzer Schulgeschichte vorbehalten bleiben soll, konnten wir erkennen, daß Sportunterricht indirekt der Kriegsvorbereitung diente wie auch das Gewöhnen an das Gerichtetsein auf Kolonien, das Tragen von Fahnen, die Verbindung zu militanten Vereinen, das Fernhalten der Jugend vom Einfluß z. B. sozialdemokratischer Ideologien, indem man versuchte, die Jugend an die bürgerliche Ordnung zu binden, mit Spenden gegenüber Armen, die leicht anfalig für die gefürchteten Bestrebungen der Sozialdemokratie nach Machtveränderung waren. Selbst die Fortbildungsschule und der private Handwerksunterricht im Schulgebäude hatten das gleiche Ziel. Die Feiern der Schule mit Gebeten zum Sedantag oder die kritiklosen Huldigungen von Kaiser und König, deren selbst militantes Streben als gottgewollt hingestellt wurde, führte unausbleiblich zum besonders aggressiv geplanten Krieg durch Deutschland. Viele ehemalige Schüler ließen ihr junges Leben für Gott, Kaiser und Vaterland - als "Helden". Auch drei Lehrer der Schule gehörten zu den Opfern des Krieges: Otto Fischer (1914), Friedrich Richter (1915) und Gerhard Fierl (1916). Ein Gedenkstein, der zu Beginn der Weimarer Republik im Schulgelände aufgestellt und nach dem noch übleren 2. Weltkrieg im Rahmen der antrilitaristischen Erziehung Anfang der 5Oer Jahre gestürzt wurde, erinnerte an sie.

Daß Kaiser und sächsischer König 1918 gehen mußten, steht im gleichen Zusammenhang wie die Formulierung des sächsischen Übergangsschulgesetzes vom 19. Juli 1919: "Religionsunterricht wird in der allgemeinen Volksschule nicht mehr erteilt."

 

 

ALS ES FÜR ZWEI SCHULEN IM HAUS ZU ENG WURDE

 

Während der Weimarer Republik (1919-1933> gab es im Gebäudekomplex, an dem nun die Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold flatterten, zwei Schulen: die 63. Volksschule und die städtische höhere Mädchenschule zu Dresden-Blasewitz. Damit gab es zwar seit dem sächsischen Übergangsschulgesetz formal keine gegliederte, sondern nur noch eine allgemeine Volksschule für alle Kinder des Schulbezirks ohne Unterschied des Vermögens und der Religion, letztlich keine Bekenntnisschule' doch mit dem gleichzeitigen Vorhandensein und Ausbau der höheren Mädchenschule im Haus wohl schon eine bereits wieder von der anderen sozial abgehobene Einrichtung. Deren Schülerinnen waren bspw. nicht auf milde Wohltätigkeiten wie etliche Bedürftige der Volksschule angewiesen. Am 1. April 1921 gingen auch diese Schulen hier mit der Zwangseingemeindung in den Besitz der Stadt Dresden über. Obwohl Dresden vor allem des steuerlichen Gewinns wegen Blasewitz schon lange vorher einverleiben wollte, war der bald nicht mehr so groß. In der Inflation 1923 nahm die Not besonders auch bei solchen Familien zu, die sich Blasewitz als Ruhesitz gewählt hatten, um von den Renten ihrer Kapitalien zu leben. Ungeachtet dessen zog m das Gemäuer ein neuer Geist ein, der den Worten über der Eingangspforte des Schulhauses "Licht! Liebe! Leben!" tatsächlich tiefere Entsprechung gab; es ging weltoffener und weltlicher zu, die Zusammenarbeit mit den Eltern nahm intensivere Formen an, und es gab eine zunehmende Ausstrahlung der Pädagogen auf die Öffentlichkeit, einzelne Lehrer gesehen sogar Hervorragendes. Im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise (Beginn im Oktober 1929) trat jedoch auch an der Schule zu Dresden-Blasewitz erheblicher Mangel wegen fehlender Gelder im Staatshaushalt auf. Dank des noch teilweise reichen Umfeldes hier konnte aber manches eher relativiert werden als anderswo in der Stadt oder im Land.

 

Nachfolger von Dr. Barthel war in der Schulleitung der 63. Volksschule der Lehrer Paul Krause geworden. Seinen Lehrerberuf hatte er schon 1905 andernorts begonnen. Am 16. April 1914 erhielt er vom Königlichen Bezirkischulinspektor Dr. Lange die Verpflichtungsurlainde als ständiger Lehrer in Blasewitz' "nachdem er als solcher von dem Königlichen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts durch Verordnung vom 21. März 1914... bestätigt" und von Dr. Lange "in vorgeschriebener Weise mittels Handschlags unter Verweisung auf seinen früher geleisteten Diensteid und das früher abgelegte Gelöbnis konfessioneller Treue verpffichtet worden" war. Als Diensteinkommen standen ihm 2.300 Mark Jahresgehalt und 700 Mark Wohnungsentschädigung zu sowie 200 Mark Sprachlehrerzulage. Auch Lehrer Krause mußte in den ersten Weltkrieg, er kam aber wieder zurück~ Was mag wohl in seinem Buch "Gold und Eisen. Bilder aus Krieg und Frieden" zu lesen sein, von dem ich erst kurz vor Abschluß dieser Schrift erführ? Paul Krause übersetzte schon seit mindestens 1907 pädagogische Schriften (z. B. "Das Denken beim Kinde und seine Pflege" von Fr. Oueyrat, Prof.am Gymnasium zu Mauriac' 1907) oder verfaßte selbst Bücher wie "Der freie Aufsatz in den Oberklassen" (1910), "Die Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Eintritt in die Schule"(1914), "Der Dorfschulmeister von Korneck" (1919) und "Bei uns daheim"(1924).

 

Ab 1925 war Paul Krause Schulleiter der 63. Volksschule bis zu seinem Tode

1931. Der Mann der Schule starb hier auch im Schulleiterzimmer an Herzschlag.

Neu war ab 1. Mai 1930 die Wahl eines Vertreters des Schulleiters. Der erste

Stellvertreter im Haus war der am 25. Juni 1930 vom Schulamt bestätigte Oskar

Meyer. Dr. Barthel, inzwischen Stadtrat, war von 1927 bis 1930 Schulvorsteher der 63. Volksschule. Ihm folgte im Mai 1930 ebenfalls ein ehemaliger Lehrer der 63., Herr Franke. Unter Schulleiter Paul Krause begann, wie wir aus seiner Ostern 1927 begonnenen Chronik entnehmen, das Schuljahr 1927/28 mit 496 Kindern (257 Knaben und 239 Mädchen> der Volksschule und dazu 64 Mädchen der höheren Abteilung (ha> der 63. Volksschule. Im November 1928 sind es insgesamt 496 Kinder in 17 Klassen. Am 31. Mai 1927 ist in der Schulelternversammlung ein Themenpunkt die "Linderung der Raumnot durch Errichtung einer Baracke". Im September schlägt der Rat der Stadtverordneten zur Behebung der großen Raumnot vor,

 

1. die noch auf dem Koch-Hessischen Grundstück an der Marienstraße stehende, vom Arbeitsnachweis früher benutzte Baracke Nr. 3 vom Grundstücksamt käuflich zu erwerben, auf den vom Grundstücksamt pachtweise überlassenen Flurstücken 226/226 d an der Baumschulenstraße (heute Brucknerstraße) aufzustellen, für Unterrichtszwecke einzurichten und die nach Planung und Voranschlag entstehenden Kosten für Erstellung, Transport der Baracke, für Ausstattung und Ankauf von insgesamt 38.600 Mark zu bewilligen;

 

2. der von ihm beschlossenen Anerkennung der Dringlichkeit zuzustimmen.

 

Paul Krause legte als Schulleiter vor den Stadtverordneten dar, daß das Kollegium der Ratsvorlage entsprechend beschließen wolle, jedoch mit der Maßgabe,

 

a) daß die Baracke den Zwecken der höheren Mädchenschule zugeführt wird und,

 

b> daß bei entsprechendem Bedarf der Volksschule die Mittel entsprechend erhöht werden.

Stadtrat Dr. Matihes betonte, die Möglichkeit einer gesundheitlichen Schädigung liege nicht vor. Die Barackenzimmer würden hell und freundlich sein. Die Sache liege so,daß weder die höhere Schule noch die Volksschule mit den Baracken vor der Tatsache bewahrt werden könnten, daß der Schulbetrieb zerlegt werden müßte. Man müsse sich mit der Zerlegung auf eine gewisse Zeit eben abfinden, weil sich die Beschaffung eines geeigneten Bauplatzes für die höhere Schule außerordentlich verzögert habe. Mit wenigen Gegenstimmen wurde das Gutachten des Ausschusses angenommen, und schon am 10. Dezember 1927 bezog die höhere Mädchenschule 6 Zimmer in der Baracke.

 

Am 11. November 1930 besichtigten Vertreter des Rates die Baracke der höheren Mädchenschule wieder eirmal. Die Elternversammlung vom 20.11. 1930 - veröffentlicht in der Lokalpresse - gab Auskunft über die neu entstandene Situation und für uns noch anderes Interessante, die 63. Volksschule betreffend: "Blasewitz. Zu einer Elternversammlung hatte die Lehrerschaft der 63. Volksschule für Freitagabend nach dem Festsanl der Schule eingeladen und man war dem Rufe in erfreulichem Ausmaße gefolgt. Schulleiter Paul Krause berichtete nach einer Begrüßung der Eltern und Gäste über das gegenwärtige Schuljahr. Er erwälinte u. a., daß von den 17 Klassen der Schule die Oberklassen besonders schwach, die unteren Klassen dagegen recht stark besetzt seien. Als Kuriosum hörte man, daß Ostern 1932, da die 2. Klasse für das laufende Jahr wegen ,mangelnder Frequenz' aufgelöst werden mußte, keine Entlassung an hiesiger Schule stattfinden werde. Für die höhere Abteilung ("a-Klassen) liegen bereits (selbst aus Pillnitz und Rochwitz) zahneiche Anmeldungen vor. Der Übergang nach höheren Schulen ist wie immer stark und beträgt fast 50 Prozent. Im Gegensatz zu verschledenen anderen Schulen kann erfreullcherweise festgestellt werden, daß hier in letzter Zeit keine Diphteritisfalle zu verzeichnen waren. Die Schulpflegerin hält jeden Dienstag und Freitag ihre Sprechstunde ab. Die Kinderspeisungen - teils unentgeltlich, teils gegen Bezahlung - sind (unter Leitung von Oberlehrer Großmann) noch in vollem Gange. Das Brausebad in

der 32. Volksschule, das den hiesigen Schulen zur Mitbenutzung freigegeben ist, findet von hier aus wegen der Umständlichkeit und der Erkältungsgefahr auf dem Heimwege immer weniger Zuspruch. Die Sprechzeit der Schulzahnklinik ist für die hiesige Schule festgesetzt auf montags bis freitags von halb 1 bis 2 Uhr; ein Ausweis des Schulleiters ist in jedem Falle notwendig. ~essen Sprechstunden täglich von 8- 8.50 Uhr und gegen 1 Uhr.)

Im 2. Punkt der Tagesordnung kam Schulleiter Krause auf die Raumnot der 63. Volksschule zu sprechen, die durch die teilweise Mitbenutzung der Räume durch die höhere Mädchenschule immer größer geworden ist. Bekanntlich bemüht sich die Elternschaft der höheren Mädchenschule seit langem darum, daß der Schule endlich ein eigenes Heim errichtet wird, da diese seit Jahren zum großen Teil in einer früheren Arbeitsnachweisbaracke hausen muß. Wenn diesem ungesunden und unwürdigen Zustande durch Errichtung eines eigenen Gebäudes endlich Abhilfe geschaffen würde, käme auch die Volksschule zu ihrem alten Besitz und könnte viele ihrer dringenden Wünsche erfüllen: Der Werkraurn, der sich gegenwärtig im feuchten Kellergeschoß des Nebengebäudes befindet, ist für Schüler und Lehrerschaft reichlich ungesund; im selben Gebäude - als Wohnhaus gebaut - sind sämtliche Klassenzimmer (Stuben) viel zu klein und zu niedrig und demnach ungesund; im Hauptgebäude fehlt es an einem größeren Zimmer, in dem z. B. bei plötzlicher Erkrankung eines Lehrers vorübergehend zwei Klassen unterrichtet werden könnten; es fehlen weiter der früher bestandene Zeichensaal, ein kleines Schulzimmer, das eigene Schulbad; die Turnhalle reicht nicht zu, der Grasplatz, auf dem jetzt die Baracke steht, diente früher für Spiel- und im Sommer für Unterrichtszwecke, und schließlich reichen auch die Abortanlagen nicht zu. All dem könnte abgeholfen werden, wenn die Volksschule wieder Herr im eigenen Hause wäre. Deshalb könne man im eigenen Interesse das Bemühen der höheren Mädchenschule um ein Schulgebäude nur begrüßen. Dem Vortrag des Schulleiters schloß sich der Vorsitzende des Elterurates der 63. Volksschule an, der all den hier zitierten Mängeln als bestehend beipflichtete. Eine dementsprechende Entschließung des Elterurates, die auf diese Zustände hinweist und die den Stadtverordneten zugeleitet werden soll, wurde auch von der Elternversannnlung einstimmig angenommen. An eine Aussprache schloß sich eine von Lehrer Kämpfe geleitete offene Singstunde, die auch den Großen die neuzeitliche, prägnante Methodik des musikbeflissenen Gesangspädagogen begreiflich und interessant machte."

Es gab noch anderes, die Schulorgaalsation betreffend, worüber sich Paul Krause ärgerte wie aus seinem Aufzeichnungen hervorgeht:

"20. August 1928. Beginn des Unterrichts. Während der Sommerferien wurden die Inschriften unserer Schule ohne jegliche Benachrichtigung beseitigt; auf dem linken flügel: ,Jetzt ist die angenehrne Zeit, jetzt ist der Tag des Heils.' Unter der Uhr:'Nütze die Zeit!' Auf dem rechten flügel: ,Ich muß wirken, solange es Tag ist.'

 

 

1. Juni 1929. Schulbegehung. Für 1929 wurden bewilligt: 3 Kastenfenster für Zimmer 40, weiter nichts!!

 

 

24. Juni 1930. Schulbegehung. Auch die nötigsten Arbeiten werden wegen Geldmangels zurückgestellt."

Über Weltoffenheit und Weltlichkeit der Schule in der Weimarer Republik errfahren wir im Zusammenhang mit besuchten und organisierten Vorträgen, Exkursionen, Konzert- und Theaterbesuchen, Turn- und Spielfesten oder AktIonen gegen Schundliteratur:

1. Juni 1927: Der Physiker Ludwig Lietrau aus Bregenz am Bodensee hielt vor den Kindern der Oberklassen einen Vortrag über flüssige Luft.

 

14. Mai 1928: Die Klasse 4 ist im Zoologischen Garten.

 

3. Dezember 1929: 2 Töpfer aus NiederbielaulSchlesien führen den Kindern bis herab zum 3. Schuljahr das Töpferhandwerk pralctisch vor.

 

Anläßlich der Internationalen Hygieneausstellung 1930 im Deutschen

Hygienemuseum, aber auch noch in den Jahren danach, kam es zu mehrfachen

Besuchen der Ausstellungen und der dort gehaltenen Vorträge. Außerordentlich

oft kam es jährlich zu Beobachtungen des Weltalls:

 

29. Juni 1927: Vor dem Unterricht beobachteten die Oberklassen mit ihren Klassenlehrern die Sonnenfinsternls' die in Dresden von 5.20 bis 7.18 Uhr andauerte.

 

7. Juli: Die Klassen 1 bis 4 besuchten das Planetarium. Welches Planetarium? fragt sich jetzt manch Leserin oder Leser. Es war die 1922 eingeweihte Sternwarte "Alexander Frantz"' die heute älteste Sternwarte der Landeshauptstadt. Der Ingenieur und Pionier der sächsischen Amateur-astronomie errichtete sie in seinem Grundstück auf der Hofrnannstraße 11. In seiner Präzisionswerkstatt für optische Geräte war neben von Alexander Frantz entwickelten und gebauten rund ein Dutzend Sternwartenkuppeln auch die zu seiner Sternwarte gehörige entstanden. Schüler der 63. Volksschule und höheren Mädchenschule nutzten diese Gelegenheit ausgiebig und zielgerichtet zu Themen wie "Der Mond", "Der Fixsternhimmel"' "Sonne, Mond und Sterne in den vier Jahreszeiten" und "Am Äquator", wenn sie ihre Exkursionen zum Frantzschen Planetarium unternahmen. Für Schulleiter Paul Krause war die Ankunft des "Graf Zeppelin" GZ 127 in Amerika am 15. Oktober 1928 einen Tag danach Anlaß, das Ereignis nicht sang- und klanglos vorübergehen zu lassen. Sämtliche Lehrer und Klassen der 63. Volksschule versammelten sich auf dem Schulhof, wo er in kurzen Worten darüber sprach und an diesem Beispiel zu Gemeinschaftsgeist, Pflichterfüllung, Fleiß und Ausdauer motivierte. Paul Krause mußte also nicht erst warten, bis das Ministerium für Volksbildung allen Schulen Sachsens anordnete am 5. September 1929 eine Zeppelinfeier zu gestalten. Er hatte schon ein Jahr vorher selbst das pädagogische Gefühl besessen, das Richtige zu tun. Selbstbewußt wird ihm das wohl während der Ehrung 1929 noch einmal in den Sinn gekommen sein, als auf einem schattigen Fleckchen des Schulhofes, wo auch die blumengeschmückte Schulfahne aufgestellt worden war, alle Mädchen und Knaben bis hinunter zum 2. Schuljahr teilnahmen. Ein Appell. Freilich, aber nicht einer der Art wie Jahre und Jahrzehnte später, die das Gemüt der Jugend abstumpften, weil monoton, allzuoft und gar hämmernd. Schon am 13. Juli 1927 war es zu einer Gedächtnisfeier für die am 8./9. Juli durch Unwetter im Müglitz- und Goffleubatal Verunglückten und Geschädigten gekommen. 150 Tote. Die Kinder brachten rund 500 Pakete in die Schule, die der Schulleiter dem Roten Kreuz übergab. Er selbst nahm tags darauf an einem Transport nach Gottleuba teil, überzeugte sich von den ungeheuren Veheerungen und veranlaßte Lehrer und Schüler mehr zu tun. In den Sommerferien, am 16. Juli, überbrachte Oberlehrer Otto Mieth der Gemeinde Gottleuba 107 Mark -66,71 M der Kinder und 40,29 M der Lehrer.

 

Vor allem wurde großer Wert auf das Schöngeistige gelegt. Die Tradition der Schule betreffs Teilnahme an hochwertigen musikalischen Veranstaltungen mit gar eigenem Agieren von Lehrern als auch Schülern sowie eigenes Vorführen von Theaterstücken, das Hinwenden zum guten Buch wurden in den Jahren der Weimarer Republik an der Schule zu Blasewitz fortgesetzt und zu neuer Gualität weiterentwickelt. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit, insbesondere der Elternschaft, gehörte wie früher einfach dazu. Viel häufiger als bisher wurde

schon durch den Unterricht selbst der Sinn für das Musische geprägt. An der Schule arbeiteten in jenen Jahren hervorragende Musikpädagogen, deren Namen über Blasewitz hinaus einen guten Ruf hatten. Einer von ihnen sei hier stellvertretend besonders genannt. Noch heute erinnern sich Ehemalige der Schule an den Lehrer Kurt Kämpfe, der mit seiner Familie und noch einem Lehrer in dem Haus gewohnt hatte, das beim Sportplatz an der Brucknerstraße stand und im Sommer 1995 abgerissen wurde. Kurt Kämpfe kannte man in ganz Dresden und über die Stadt hinaus. Er war Leiter der "Bergtinken" und vor allem jährlich Leiter der im Sommer stattgefundenen Musllcwochen der Volkshochschule im Naturfreundehaus am Zirkelstein in der Sächsischen Schweiz oder auf der "schwimmenden Jugendherberge" und in der Jugendherberge in Aussig. Manchmal lud er obere Klassen ins Gewerbehaus ein, wo er das Dresdner Philharmonische Orchester leitete und bspw. die Ouvertüren zu Egrnont oder dem Freischütz bot, um im Anschluß das Kunstwerk sowie das Zusammenwirken der Instrumente zu erläutern und noch einmal die Ouvertüre und andere Teile der Oper abschließend genießen zu lassen. Bei einem stark besuchten Schülerkonzert am 5. September 1927 im Festsaal der Schule, wo der Schulchor, der Chor der höheren Mädchenschule, Solisten aus der 5. Klasse als Geiger auftraten und der Lehrer und Organist Max Wolf am Flügel den Gesang einer Schülerin der höheren Mädchenschule zu einer seiner Kompositionen begleitete, sang auch Kurt Kämpfe mit "sattelfestem Baß". Während anderer Veranstaltungen der Schule bot er Klaviervorträge, welche z. B. die Schubert-, Verfassungsfeier oder einfach nur die Schulentlassungsfeiern umrahmten.

 

Im Lessingjahr 1929 wurde der Schwerpunkt auf die Bekämpfüng der Schundliteratur gesetzt. Nicht nur allein, daß die Pädagogen der Schule schon stets kontinuierlich der heranwachsenden Jugend den Sinn fürs gute Buch anerzogen, in diesem Jahr forderten sie die Kinder auf, "Schundschriften an die Geschäftsstelle für gute Jugendliteratur, Dresden-N, Markgrafenstraße 35, (13. Volksschule>, abzuliefern und für je zwei Schundhefte ein gutes Heft nach eigener Wahl" einzutauschen. Diesen lobenswerten Umtausch nahmen die Lehrer in Blasewitz schließlich auch selbst vor. An die Eltern gewandt zeigten sie zur Vorweihnachtszeit im Saal eine Ausstellung guter Jugendschriften und im Zimmer 42 eine solche billiger Bücher lebender Dichter. Bücher konnten schon immer etwas zur Weltoffenheit beitragen. Doch wenn der Schulleiter Paul Krause Kindern und Eltern Lichtbilder von seinem Ferienaufenthalt in England zeigte, war das schon etwas ganz anderes. In diesem Sinne traten auch andere vor den Schülern auf. Einen Paul Beck aus Riga hörten im Februar 1929 die Klassen 1 bis 4 zum Baltenland und schon zwei Monate danach Herm Zielinski "in ganz hervorragender Weise" über Sitten und Gebräuche der Neger Südafrikas sprechen. Herr Han Fong Keng aus Korea sprach vor den Kindern der Klassen 9 ha bis 5 am 30. Januar 1930 über Korea und Japan. Die Klassen selbst reisten zumindest durch ganz Deutschland; so die 10 ha 1930 mit ihrem Lehrer Oskar Meyer ins Riesengebirge. Andere Kinder schrieben aus dem Kinderheim des Nordseebades Norderney der Stadt Dresden an die Schule wie eme Ansichtskarte von 1927 belegt.

 

Es gab auch extra einen Ausschuß für die jährliche Auswahl der Kinder, die zur Erholung verabschiedet werden sollten. Im März 1929 gab es 115 Vorschläge, jedoch waren nur 26 Plätze frei (!). Es ging um Unterbringung 1. in Graupa, Heidelberg, Schweidnitz, alte Waldschule; 2. durch die Landesversicherung; 3. Ostpreußen und Mecklenburg; 4. Margaretenpark~ Innerhalb der Kommission galt folgende Verteilung: 1/10 See, 1/10 Land, 3110 Gebirge und 5/10 Nahpflege. Am 6. Februar 1930 wird Herr Oskar Schwenke, Wägnerstraße 27, vom Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt in die Kommission entsandt. Hier konnten im März 19 Kinder ausgewählt, 14 als Ersatz und 16 für die Landesversicherung vorgeschlagen werden, sowie 6 für Kleingraupa. Eine andere Form der Unterstützung der 63. Volksschule waren weiterhin ihre Stiftungen. Der Rat hatte 1928 beschlossen, alle Stiftungen, die allein ihren Zweck nicht mehr erfüllen könnten, zu einer Schulstiftung der Stadt Dresden zu vereinigen. Die

Bemühungen des Schulleiters Krause um das Fortbestehen der Schulstiftungen hatten zu folgendem Ergebnis geführt: "1. Emil-Wägner-Stiftung: Herr Baumeister Hans Wägner stiftete 200 Reichsmark~ 2. Ernst-Leonhardi (Sohn des Pfarrers Leonhardi) -Stiftung: Die Angehörigen des verstorbenen Pfarrers stifteten 200 RM, die Fräulein Paula Leonhardi aus Laubegast dem Schulleiter überreichte. 3. Schulstiftung der Frau verw. Senator Johanna Justine Renner:

Herr Renner/Altmarkt, stiftete 300 RM (3 Stück 8 %ige Goldpfandbriefe der Landesländischen Bank Oberlausitz, je 100 RM, Kurs 98,50)."

 

Das Schulgeschehen an der 63. Volksschule während der Weimarer Republik sollen Auszüge eines weiteren Artikels der Lokalpresse abrunden, die sich auf die Entlassung der Abgehenden vom 21. März 1930 beziehen:

 

"Blasewitz. Aus der Schule. Die Kinder der 63. Volksschule, die ihrer Schulpflicht genügt haben, wurden am Freitagvormittag halb 10 Uhr entlassen. Zu Beginn der Feier erfreute Frau Ortrud Schmidt die Kinder und die in großer Zahl erschienen Gäste durch meisterhaften Klaviervortrag... Fräulein Else Knigge, eine ehemalige Schülerin der Blasewitzer Schule, eben jetzt am Ende ihrer gesanglichen Ausbildung auf dem Konservatorium stehend, sang äußerst angenehm und gefällig... Drei wackere Jungen des 4. Schuljahres trugen ein Geigentrio ... vor... . Im Mittelpunkt der Feier stand die Entlassungsrede. Schulleiter Krause gedachte zunächst persönlicher Erlebnisse der Abgehenden, sprach über die schwere Zeit, in der die Kinder aus der Schule ins Leben hinaustreten, nahm den Eltern der Knaben und Mädchen das Versprechen ab, der Jugend immer hilfsbereit zur Seite zu stehen und sie mit Rat und Tat zu unterstützen, wenn es gilt, hohe und schöne Ziele zu erreichen. Das Leben ist ein Kampf. Aber ein Mittel sei uns gegeben, den Kampf ums Dasein siegreich zu bestehen: die Freude. ... Freude an der Natur, Freude an den Erinnerungen aus der Kindheit und Schulzeit, Freude an der deutschen Dichtkunst, am guten Buch, an der Kunst, zuletzt Freude an der Arbeit als höchste der Forderungen. Auch die Chorlieder und Gedichte schlossen sich diesem Gedanken an. Aus der Wägner- und der Justine-Renner-Stiftung bekamen zwei Knaben und zwei Mädchen Erinnerungsgaben in Gestalt schöner Bücher. Die Schüler und Schülerinnen erhielten ihre Entlassungszeugnisse und verabschiedeten sich von ihren Lehrern und Lehrerinnen. Zuletzt sangen einem guten Brauche folgend, Lehrer und Schüler den Abgehenden das Komitat von Mendelssohn-Bartholdy:

,Nun zu guter Letzt geben wir dir jetzt auf die Wand rung das Geleite'."

 

Die städtische höhere Mädchenschule zu Dresden-Blasewitz war eine öffentliche Schule im Sinne des Gesetzes vom Jahr 1910. Sie war Ostern 1925 mit den beiden unteren Klassenstufen 6 und 5 gegründet worden und umfaßte im Schuljahr 1928/29 die Klassenstufen 6 bis 2. Seit Ostern 1929 war die Schule voll ausgebaut und zählte in 6 Jahrgängen 12 Klassen. Die Bemühungen der Lehrer- und Elternschaft, die Schule durch Angliederung einer dreistufigen Studienanstalt zur neunstufigen Vollanstalt weiter auszubauen, waren Ostern 1930 des Raummangels wegen erfolglos geblieben, obwohl das Schulamt der Errichtung einer Klasse für Obersekunda zugestimmt hatte. Die Lehrerschaft hoffte damals, daß sich Mittel und Wege fanden, den Plan Ostern 1931 auszuführen.

Mit der höheren Mädchenschule verbunden war von Anfang an die höhere Mhdchenabteilung an der 63. (ehem. Blasewitzer) Volksschule; sie hatte im Schuljahr 1928/29 nur noch eine Klasse mit 27 Schülerinnen.

 

Mit der Entlassung dieser Schülerinnen am 11. März 1929 hatte die Blasewitzer höhere Mädchenabteilung, die Ostern 1914 als "Zehnstufige Mädchenschule" errichtet worden war und aus der sich die höhere Mädchenschule entwickelt hatte, ein natürliches Ende gefünden. Von 1918 bis 1929 durchliefen 196 Schülerinnen der höheren Abteilung die oberste Klasse fürs 10. Schuljahr. Von ihnen hatten sich 166 am Ende ihrer Schulzeit einer Prüfling unterzogen und 145 davon das Reifezeugnis der höheren Mädchenschule, 9 das Zeugnis für die

mittlere Reife erworben. Am Zustandekommen dieser Einrichtung hatten sich besonders die früheren Schuldirektoren Dr. Barthel und Dr. Zesch sowie der ehemalige Vorsitzende des Schulvorstandes Baurat Emil Wägner verdient gemacht.

Der Unterricht wurde nach der "Lehrordnung für die höheren Mädchenschulen im Freistaat Sachsen" vom 1. April 1922 erteilt, jedoch mit der Abänderung, daß im Schuljahr 1928/29 in den Klassen 6, 5, 4, 3a und 2a Englisch als erste Fremdsprache gelehrt wurde - im Schuljahr 1929/30 in den Klassen 6 bis 3, 2a und la - und daß in den Klassen 6 bis 3 - 1929/30: Klassen 6 bis 2a, die in der Denkschrift des Mimsteriums für Volksbildung "Zur Neuordnung des höheren Schulwesens in Sachsen' vom Jahre 1926 angesetzten Unterrichtsstunden Geltung erhielten.

Das Reifezeugnis der höheren Mädchenschule berechtigte

1. zum Besuch staatlich anerkannter Wohlfährtsschulen (sozialer Frauen-schulen) mit der staatlichen Schlußprüfüng als Wohlfahrtspflegerin (Sozial-beamtin). Vor Eintritt war der Nachweis besonderer Fachbildung als Krankengyrmiastin, Krankenpflegerin, Säuglingsschwester, Krüppelpflege-schwester, Kindergärtnerin, Hortnerin oder Jugendleiterin usw. zu erbringen;

2. zur Ausbildung als Bibliothekarin im mittleren Dienst;

3. zur Ausbildung als technische Assistentin an medizinischen Instituten nach mindestens zweijähriger praktischer Vorbildung;

4. zur Ausbildung als landwirtschaftliche Haushaltungslehrerin nach Ableistung einer mindestens zweijähri~ gen praktischen landwirtschaftlichen Tätigkeit;

5. zur Ausbildung als ländliche Haushaltpflegerin nach Ableistung einer mindestens einjahn~ gen praktischen Tätigkeit in der Landwirtschaft;

6. zur Zulassung zur Prüfung als staatlich geprüfte Gartenbautechnikerin nach einer praktischen Vorbildung von mindestens vier Jahren, nach weiteren 3 Jahren von Ablegung der Prüfung ab und mindestens siebenjähriger Praxis Zulassung zur Prüfung als staatlich diplomierte Gartenbauinspektorin und in der Regel nach einem weiteren halbjahri~ gen Seminarlehrgang Zulassung zur Prüfling als staatlich geprüfte Gartenbaulehrerin;

7. zum Eintritt ohne Aufnahmeprüfung in den höheren Fachkurs der höheren Handelslehranstalten;

8. ohne Aufnahmeprüfung zum Eintritt in die dreistufige Studienanstalt (0 il), wenn der Übertritt sogleich nach Erlangung des Reifezeugnisses der höheren Mädchenschule erfolgte;

9. ohne Aufnahmeprüfung zur Ausbildung als Kindergärtnerin, Hortnerin, Wohlfahrtspflegerin, Krankengynmastin;

10. nach Ausbildung als Kindergärtnerin (Abschlußprüfung mindestens 2 a) und einjähriger Tätigkeit in einem Kindergarten zum Eintritt in die Ausbildung als Jugendleiterin.

Die Frage der Einführung einer einheitlichen Kopfbedeckung für die Schülerinnen hatte die Eltern und Lehrerschaft lange beschäftigt. Am 22. Juni 1929 fand der dem Schulamt vorgelegte Entwurf die Genehmigung der Kommission für das höhere Schulwesen, und seit dem 1. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1929 trugen die Schülerinnen die Mütze. Sie war in der damals üblichen Kappenform aus mattblauem Tuch gefertigt und zeigte an der linken Seite einen Winkel aus Silberborte; es waren die alten Farben von Blasewitz, die auch die Schulmütze des benachbarten Blasewitzer Realgymnasiums hatte. Auf Beschluss der Lehrerschaft vorn 26. August 1929 galten für das Tragen der Mütze folgende

Bestimmungen:

1. Ein Zwang zum Tragen der Schülerinneumütze sollte bestehen bei gewissen Gelegenheiten, die von der Schule bestimmt würden (z. B. Festzug bei Reichsjugendwettkämpfen).

2. Wenn auf dem Schulweg eine Kopfbedeckung getragen wurde, so durfte es von besonders begründeten Ausnahmefällen abgesehen nur die Schülerin-nenmütze sein. Die vorschriftsmäßigen Mützen wurden hergestellt nur in den Geschäften von Karl Lange, Dresden-Blasewitz, Tolkewitzer Straße 3, und von Karl Stenke, Dresden, Pilnitzer Straße 44.

 

SCHÜLERFEIERN

Schuljahr 1928/29 am 26. April zur Erinnerung an Albrecht Dürers 400. Todestag, am 27. August über Ludwig Jahn aus Anlass seines 150. Geburtstages, Schubertfeier am 27. November, 22. Januar zum Gedächtnis des 200. Geburtstages Gotthold Ephraim Lessings, am 11. März anlässlich der Entlassung des letzten Jahrganges der höheren Mädchenabteilung;

Schuljahr 1929/30

Verfassungsfeier am 26. August zum 10jährigen Gedenken; am 5. September Gedenken der glücklichen Landung des Luftschiffes "Graf Zeppelin" nach seiner Weltreise, Feierstunde mit musikalischer Ausgestaltung des Oberlehrers Wolf durch den Schriftsteller Dr. Axel Edgar am 12. Oktober über Walter Flex, Verabschiedung der ersten Schülerinnen der höheren Mädchenschule;

Weihnachtsfeier in beiden Schuljahren

 

ANDERE SCHULVERANSTALTUNGEN

Schuljahr 1928/29

25. Mai: Der Privatgelehrte Herr von Papen hielt einen Lichtbildervortrag über "Märchenbilder aus Zentralasien".

2. Juli: Herr J. Zielinski sprach über eigene Erlebnisse in Südafrika.
29.August: Ein Glasbläser aus dem Thüringer Wald führte seine Kunst vor.

18. September: Besuch der Vorführung des Feuerwehrfilms im Ausstellungspalast durch alle Klassen.

30. Oktober, 19. Dezember und 30. Januar: Besuch der vom Rat der Stadt veranstalteten Schülerkonzerte des Philharmonischen Orchesters im Gewerbehaus durch die Schülerinnen der beiden obersten Klassen.

19. Februar: Herr Josef Ohmann hielt vor den Klassen 1 bis 4 einen Experimentalvortrag über flüssige Luft.

Schuljahr 1929/30

13. Mai: Herr von Papen hielt einen Lichtbildervortrag über "Gefährdete Heimat im deutschen Osten.

10. Juni: Die ganze Schulgemeinde fahr unter Begleitung von vielen Eltern zur Jahrtausendfeier der Stadt Meißen.

20. Juni: Im Schulsaal wurden durch die Redlich-Gruppe Hans-Sachs-Spiele aufgeführt.

3. Juli: Vorführung des Herrn Dr. Römmert aus München vor den Klassen 1 bis 4 über lebende Kleinwesen.

Wandern; Turnen, Schwimmen, Spielen, Rudern 1928/29

Wanderungen im Gebiet der Sächsischen Schweiz, Jahnkampfspiele der höheren Schulen Dresdens;

1929/30

Wanderung und Fahrten nach Meißen, Erzgebirge, Leipzig, Saaletal, Weimar und in die Lausitz (Jonsdorf, Oybin), Reichsjugendwettkämpfe in den Sommerferien, Gerätewettkämpfe im Winterhalbjahr

An den Reichsjugendwettkämpfen, die am 29. Juni 1928 als Jahnkampfspiele stattfanden, beteiligten sich von der Blasewitzer Mädchenschule im Festzug 269 Schülerinnen, an den Freiübungen der Ober- und Mittelklassen (1-3) 101, der Unterklassen (4-6) 135 Schülerinnen. Der von der letzten Klasse 1 der höheren Mädchenabteilung gestiftete schöne Wimpel wurde hierbei zum ersten Mal der Schule vorangetragen.

Jugendspiele fanden im Anschluss an den Vormittagsunterricht an der Hochuferstraße statt. Diejenigen Schülerinnen der Klassen 1 bis 3, die der Jugendgruppe des Dresdner Frauen-Rudervereins angehörten, waren von den Jugendspielen befreit.

Der Schwimmunterricht, der in den 4. Klassen anstelle des Turnunterrichts im Sommerhalbjahr erteilt wurde, wurde manchmal auch bei ungünstigen Witterungs- und Wasserverhältnissen nicht im Blasewitzer Elbbad, sondern im Winterhalbjahr im Zentralbad an der Wittenberger Straße durch- bzw. zu Ende geführt.

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